Historisches: Alte Pfarrkirche

Die Alte Pfarrkirche weist Spuren verschiedener Stilepochen auf. Ihr Turm prägt den Stadtplatz und stellt eindeutig den Mittelpunkt der Stadt Leonding dar.

Panoramaaufnahme Alte Pfarrkirche

Hier wird die 360° Panoramaaufnahme der alten Pfarrkirche Leonding-St. Michael dargestellt.



 

Die Alte Pfarrkirche
Alte Pfarrkirche um 1834

Die alte Pfarrkirche liegt auf einer kleinen Anhöhe, dem „Kirabühl“. Ihr Turm prägt den Stadtplatz und stellt eindeutig den Mittelpunkt der Stadt Leonding dar.

Der Kirchenbau selbst weist Spuren verschiedener Stilepochen auf. Beim Durchbruch der dicken Turmmauern wurden römische Spuren gefunden. Etwa fünf Meter von der Außenmauer entfernt gibt es ein „umfassendes Mauerwerk von großer Festigkeit“. Leider gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen darüber. 

Von der ehemals gotischen Kirche existieren noch das spätgotisch profilierte Tor in der Turmhalle, der Kanzelfuß und das Weihwasserbecken. Die heutige Gestalt erhielt die Kirche bei der im Jahre 1653 erfolgten Vergrößerung und Barockisierung: eine typische Landkirche mit einem einschiffigen, dreijochigen, stichkappentonnengewölbten Langhaus und einem eingezogenen einjochigen Chor mit Kreuzgewölbe. Den damaligen Umbau finanzierten die Herren des Freisitzes Holzheim, die Familie der Painherren. Eine Grabtafel beim rechten Seitenaltar erinnert an Wolf Painherr, der 1655 verstarb.

Rund 100 Jahre später, von 1738 bis 1776, war Heinrich von Urli Pfarrer in Leonding. Sein Vater war wohlhabend aus den Türkenkriegen heimgekehrt und Pfarrer Urli hat sein gesamtes Vermögen für die Kirche verwendet (Hochaltar, Monstranz, ein Silberkelch, Bücher, ..)

 

Das Altargemälde, das den Erzengel Michael „im siegreichen Kampf gegen die Mächte der Hölle“ darstellt, stammt vermutlich vom bedeutenden österr. Barockmaler Franz Anton Maulpertsch (1724 – 1794). Das Bild wird flankiert von Statuen des hl. Johannes des Täufers und des hl. Josef.

Der Tabernakel des Hochaltares stammt aus der Zeit des Barocks.

Der rechte Seitenaltar – Der Kreuzaltar

Der rechte Seitenaltar wurde in den fünfziger Jahren aus einer Linzer Friedhofskapelle der Fam. Streit (Besitzer der Druckerei Wimmer) in die Pfarrkirche Leonding gebracht. Diese Kreuzabnahmegruppe wird der Schwanthalerschule zugerechnet und entstand Ende des 18. Jhdts. Die Szene ist eine Nachahmung eines Entwurfes von Michelangelo Buonarotti.

Die Figuren sind ca. einen Meter groß, nur die Figur des Gekreuzigten ist merklich größer. Unter dem Kreuz stehen rechts Josef von Arimathäa, daneben Maria, die Frau des Kleophas, und ein Jünger. Links scharen sich um die im Leid zusammenzubrechen drohende Gottesmutter der Apostel Johannes und Maria Magdalena, dahinter Nikodemus.

Michaelsfenster und Himmlisches Buch

Das bunte Glasfenster an der rechten Langhauswand in der alten Pfarrkirche bringt in seiner Symbolik eine weitere Darstellung des Pfarrpatrons: Seelenwaage und Flammenschwert.

Auf den Erzengel Michael weist auch das Glasbildfenster links über dem Hochaltar. Es wurde als „himmlisches Buch“ gestaltet.  In Silberschrift ist darauf der Psalm 103, 1-4a.20 im hebräischen Originaltext geschrieben. Die deutsche Übersetzung ist auf der Glastüre vom Turmdurchgang in das Langhaus graviert.

Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt.
Lobe den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam!
 

Die beiden Glasfenster wurden im Zuge der Kirchenrenovierung 2011 von Magdalena Aichinger aus Leonding entworfen und gestaltet und in den Werkstätten des Stiftes Schlierbach hergestellt.

 

Die übrige Innenausstattung

Den schlichten linken Seitenaltar ziert eine Strahlenkranzmadonna (Maria Immaculata als Siegerin über Sünde und Erbschuld - 1750-1780). Sie stammt aus Tirol und ist dem dort verbreiteten Bauernbarock zuzuschreiben. Davor steht der von Prof. Alois Dorn geschaffene Taufstein.

Der gotische Sockel, auf dem der marmorne Predigtstuhl ruht, ist einer der wenigen Überreste der gotischen Kirche.

Im Eingangsbereich wurde das bajuwarische Steinrelief eingemauert, das im Volksmund „Steinmännchen“ genannt wird. Es war früher an der Außenmauer in die Kirche eingelassen und später bis zur Renovierung 2011 hinter dem Fuß des Predigtstuhls (Kanzel) zu finden.

Der Kupfereinsatz mit der Darstellung des Gotteslammes auf dem Buch mit den sieben Siegeln wurde 1969 vom Leondinger Bildhauer Alois Dorn geschaffen, der damals die Renovierung der Kirche geleitet hat. Von ihm stammen auch die Reliefs auf dem Volksaltar und das Glasfenster im Turmdurchgang.

 

An der linken Wand des Langhauses sind Statuen der hl. Mutter Anna, des hl. Johannes Nepomuk und des hl. Joachim. Die Kreuzwegbilder sind auf der Chorbalustrade vereinigt.

An der rechten Seitentür befinden sich die Grabtafeln von Heinrich Urli, gest. 1776, und Anton Urthaller, gest. 1738, beide verdiente Pfarrer in der Pfarre Leonding.

Der Kirchturm und seine Glocken

Der charakteristische Zwiebelturm kann als Wahrzeichen Leondings bezeichnet werden, überragt er doch mit seinen 44,6 m Höhe alle Bauten im Kernbereich des Ortes seit über 100 Jahren in dieser Form.

Der Turm war ein Teil des Kirchenumbaues von 1653, die massiven Mauern sind mit Schüttmaterial aus spätrömischer Zeit durchsetzt. Der Dachaufsatz hat sich im Laufe der Zeit mehrmals geändert.
1809, als die Franzosen Leonding zum 3. Mal innerhalb weniger Jahre mit Quartiernahme, Plünderung und Brandschatzung heimgesucht hatten, wurde auf dem Kirchturm ein „telegraphisches Licht“ eingerichtet. In einer Kette solcher optischer Signale konnten damals Nachrichten von Wien nach Paris gesendet werden.

1827 wurde die baufällige Turmkuppel sehr kümmerlich erneuert (Volksmund: Leondinger Haum (Haube). 1885 erhielt der Turm durch eine Erhöhung und neue Form des Aufbaues die jetzige Gestalt.

Die Glocke ist ein Musikinstrument der besonderen Art: Kein Toninstrument überragt die Glocke an Gewicht und Schallweite. Das Gesamtläute der sechs Glocken im Kirchturm wiegt über 3400 Kilogramm. Die Josefsglocke (hohes c) und die Marienglocke (hohes d) wurden im September 2016 von der ältesten Glocke Oberösterreichs aus dem Jahr 1524 („Zwölferglocke“ aus der Werkstatt „maister Benedict Raischer, Pixenmacher zu Lincz“) empfangen. Zusätzlich können mit dem neuen Melodienschlagwerk verschiedene Tonfolgen abgespielt werden: wie das Salve Regina aus dem Kirchenliedgut und Melodien aus der Leondinger Symhonie. Das Brüderpaar Prof. Christian (Dresden) und Rainer Sery (Leonding) hat die neue Josefs- und Marienglocke künstlerisch gestaltet. Die Josefsglocke erinnert an den langjährigen Pfarrer Josef Holzmann und dessen besondere Beziehung zur Ukraine. Die Marienglocke weist eine lateinische Wortfolge, die um das Wort Sator, dem Schöpfergott, kreist auf.

 

 

An der Südseite des Turmes befand sich eine spätrömische Steinskulptur, der „Genius des Todes“, der eine fast zweitausendjährige Kulturtradition an diesem Ort unter Beweis stellt. Sie steht heute im Freien beim Schloßmuseum in Linz. Eine Nachbildung sehen Sie beim Friedhofsbrunnen.

 

MinistrantInnenraum und Meditationsraum

Links vom Chor wurde in den Räumlichkeiten der alten Sakristei 1997 ein Meditationsraum eingerichtet und 2010 renoviert. Der Wandteppich ist ein Werk der Linzer Künstlerin Inge Kracht.

Der Dachboden oberhalb der alten Sakristei wurde 1997 zum Miniraum ausgebaut und in den folgenden Jahren mit einem Wasseranschluss sowie einer thermischen Isolierung ausgestattet. Der Miniraum verfügt über einen eigenen Zugang über den Friedhof. In diesem Raum finden die wöchentlichen Gruppenstunden der Minis statt.