Männertag

„Gib nicht dem Leben mehr Stunden, sondern gib den Stunden mehr Leben.“

Männertag 2018: „Leben in Fülle – eine Spurensuche“

Referent beim diesjährigen Männertag war Mag. Wolfgang Bögl, theologischer Assistent der KMB Linz. Thematisch ging es um folgende Leitfragen:

Was ist ein Leben in Fülle? Was macht ein erfülltes Leben aus? Was gibt unserem Leben Tiefe und Weite, Halt und Sinn? Was bringt uns Menschen zum Aufblühen?

Der Referent näherte sich dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven an und stellte dabei auch verschiedene Ansätze und Antwortversuche aus den Humanwissenschaften und aus unserer Geistesgeschichte vor. Einen besonderen Blick hat er in Folge darauf geworfen, was uns die Bibel und unsere christliche Tradition zum Thema „erfülltes Leben“, „Leben in Fülle“ sagen.

Es ist gerade eine besondere Herausforderung für uns in unserer westlichen Welt, einer Welt des materiellen Überflusses, einer Welt der Überinformation. Wir dürfen Fülle wohl eher nicht als einen Mengenbegriff sehen, sondern vielmehr ein Begriff, der etwas über die Qualität sagt.

 

Näher eingegangen ist der Referent auf die biblische Geschichte von der Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mk 10,17b).

Mit dieser Frage wendet sich der Jüngling an Jesus. Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht. Jesus fordert, dass er sich von seinem Besitz trennen muss. Da geht der Jüngling traurig weg.

Wenn jemand also ganz in einem Lebenskonzept hängen bleibt, das auf materielle Sicherheit und Absicherung baut, bleibt er gebunden und daher auch unfrei. Er kommt nicht wirklich in Kontakt mit den Lebensverheißungen Jesu.

Vielmehr braucht es ein Herausgehen aus der Komfortzone, es braucht auch ein Aufgeben von Sicherheiten und ungesunden Bindungen, es braucht ein inneres Leer-Werden für die Fülle Gottes („Loslassen befreit!“).

 esus nachfolgen, ein Leben aus dem Glauben hat grundlegend zu tun mit Aufbrechen, Unterwegs-Sein. In-Bewegung-Sein, auch mit einem Loslassen von Vertrautem und von selbst gemachten Sicherheiten. Jesus nachfolgen ist ein Weg in eine größere Freiheit: offen und neugierig an die Dinge herangehen, nichts glauben, man hätte schon alles in der Tasche und wüsste alles bereits. Sich vom Leben überraschen lassen. Die Fragen, die das Leben an uns stellt, lieben lernen.

Es geht also um ein Weit-werden und um ein Offen-werden und dabei die Welt und die Menschen immer wieder mit neuen Augen sehen zu lernen – vielleicht auch mit den Augen Jesu. Leben in Fülle heißt: Teilhabe am Göttlichen.

Unser Leben kann auch dadurch reicher werden, wenn wir unseren Fokus auch auf die Zeit „nach uns“ richten: Was bleibt von uns, wenn wir einmal nicht mehr sind? Was wollen wir der Nachwelt hinterlassen? Worin äußert sich unsere eigene Nachhaltigkeit?

 

Der Weg Jesu ist anspruchsvoll und verlangt uns einiges ab. Aber zugleich ist er – für die, die sich öffnen und darauf einlassen – erfüllend, lebensförderlich und faszinierend. Das konnten insbesondere die Menschen damals an Jesus selbst hautnah erleben. Ihm sahen sie dieses „Leben in Fülle“ an.

Jesus hat vorgelebt und gezeigt, wie heilsam liebevolle Zuwendung und das Anbieten von Nähe und Beziehung sein kann. Es ging ihm immer um die Entfaltung und um das Aufblühen der Menschen. Wenn er etwas gar nicht leiden konnte, dann war das Ausgrenzung: von Armen, von Kranken, von Fremden. Er hat seine ganze Leidenschaft ausgelebt für eine bessere Welt. Was wir mit Sicherheit wissen: sein wichtigstes Anliegen war: Liebe, Versöhnung und Barmherzigkeit in die Welt zu bringen.

Im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens steht also keine große Theorie und kein großes Regelwerk, sondern ganz einfach eine Person, nämlich Jesus Christus. Daher geht es wohl einfach darum, dass wir genau hinschauen auf das, was Jesus uns vorgelebt hat. Und dann zu versuchen, das in unserem Leben und in unseren Alltag mit unseren Möglichkeiten und Talenten zu verwirklichen.

Sein Referat schloss der Referent mit folgendem Zitat von Leo Buscaglia:

Unsere Talente sind das Geschenk Gottes an uns. Was wir daraus machen, ist unser Geschenk an ihn.

Wolfgang Bögl, Konrad Holoubek

 

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