Historisches: Pfarrfriedhof

Der Pfarrfriedhof umgibt die Kirche an drei Seiten und blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück.

Geschichte

Vom Stadtplatz kommend, passiert der Besucher den alten Granitbogen zwischen den beiden ehemaligen Schulhäusern. Hier betrat man einstmals den Pfarrfriedhof Leonding St. Michael. Heute ist das kleine Kirchenplätzchen Heimstatt für das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

1874 musste der Gottesacker erweitert werden. Der Eingang vom Torbogen zur heutigen Friedhofsmauer wurde 1896 versetzt. Es entstand der kleine Kirchenplatz. Über dem Grab von Bindermeister Brückl wurde  1896 die „Kaiserlinde anlässlich des 50. Jahrestages der Krönung von Kaiser Franz Josef gepflanzt.

Die Linde an der Westseite der PFarrkirche Leonding- St. Michael wies zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung 1993 einen Stammumfang von 3,05 m, einen Kronendurchmesser von 17 m udn eine Höhe von rund 30 m auf. Das ALter des Baumes, der sich in rund 6 m Höhe in zwei Hauptäste verzweigt wurde auf 100 Jahre geschätzt. Die lInde wird vom Land Oberösterreich gepflegt. Im Juli 2018 wurde die Linde ausgeschnitten und im Kronenbereich gekürzt.

 

Auf drei Seiten ist die Kirche noch vom Friedhof umgeben. Teile der Friedhofsmauer sind bereits 300 Jahre alt, aber immer mehr der alten Einfriedung musste den 1968 notwendigen Erweiterungen des Friedhofs weichen. 1969 wurde im neuen Teil des Friedhofs eine einfache Leichenhalle errichtet und mit Plastiken und einem Sgraffitofries mit den Symbolen des Kreuzwegs von Alois Dorn versehen. Unsere Toten werden von dort aus zur letzten Ruhe begleitet. Die gefundenen Gebeine beim Kirchenbau 1979 wurden gesammelt in einem Sarg wiederbestattet.

An der Außenmauer der Kirche befinden sich einige Grabtafeln und das Priestergrab früherer Pfarrherren. Bemerkenswert davon sind die erste Grabtafel links neben der Allerseelenkapelle (Kruzifix mit neubarockem Rahmen), die an den 1811 verstorbenen Joseph Genuiter erinnert und das Epithap von Pfarrer Suffenpleyer (1709-1722) mit den Engelsfiguren.

Urnenskulptur

Bildhauerin Gabriele Berger aus Aigen Schlägl hat ein funktionell gestaltetes, sehr markantes, künstlerisch-puristisches Monument entworfen und meint dazu: „Diese Bauweise sei eine unübliche Lösung, aber eine gelungene, weil Kunst und Spiritualität und die Gegebenheiten des Friedhofs eine Einheit sind.“

Bevor der Plan für das Objekt entstehen konnte, ließ die Künstlerin das Zusammenkommen der vieler verschiedenen Anforderungen, wie etwa die Friedhofsatmosphäre, die Umgebung, oder der Weg zum Objekt auf sich wirken. Nachträglich kam es zur Idee, die Skulpturen wie aus dem Grasboden herausgewachsen, erscheinen zu lassen.

Für Gabriele Berger ist dieser Urnenstellplatz eine Architektur mit verschiedenen Wohneinheiten, kleiner werdende Teilchen in Zeit und Raum. Verstorbene, Angehörige, Blumen, Kerzen,…- ein: Architektur - Wohneinheit Teil sein von….. – Urne – Aschenkörnchen – Welt – Universum – Welt – Architektur: Kreislauf des Lebens.

 

 

Eine handwerkliche Herausforderung

Das Grundgerüst einer Skulptur besteht jeweils zwei Teilen mit je acht Ausnehmungen für Urnennischen, das Material ist Anthrazit eingefärbter Beton. Die beiden Betonteile einer Skulptur werden im Winkel von 90 Grad zusammengefügt und verschraubt. Die Ausnehmungen sind mit Granitplatten ausgekleidet und vorne und hinten verschlossen. Die sichtbaren Oberflächen der Granitplatten sind poliert und erscheinen in sattem Schwarz. Der so entstandene annähernd quadratische und Innen hohle Würfel ist der eigentliche Raum für die beigesetzten Urnen.

Das Projekt der Skulpturen war für die ausführenden Betriebe eine handwerkliche Herausforderung. Es galt ja Beton und Stein in möglichst geringen Spaltmaßen zusammenzufügen. Hier erwies sich schon der Transport der vier je 860 Kilogramm schweren Betonteile zu ihrem neuen Platz am Friedhof als Herausforderung, da durch die schmalen Wege kein schweres Baufahrzeug eingesetzt werden konnte. Der Aufbau der Betonteile auf den vorbereiteten Fundamenten war Millimeterarbeit, da schon eine geringe Abweichung den anschließenden Einbau der Granitwürfel erschwert bis unmöglich gemacht hätte. Die Würfel mit der glänzend polierten Oberfläche mussten ohne den geringsten Kratzer in die Betonnischen eingefügt werden. Der Verschluss für die vorderen und hinteren Platten der Würfel, die ja im Falle einer Urnenbeisetzung abnehmbar sein müssen, ist auch eine eigene Entwicklung, grundsätzlich halten hier starke Magnete die Platte in der richtigen Position.

Facts der Firma Strasser Steine GmbH, St. Martin im Mühlkreis: Ca. 2m³ Beton, eingefärbt mit Sichtschalung als Grundgerüst, 24m² Granitplatten aus Nero Asolutto Granit wurden für die Verkleidung der Urnennischen verwendet. Gesamtarbeitsaufwand, Fundament, Transport, Montage: 266 Stunden